Die Rolle von Sonnenschutz bei Krebs

Endlich Sonne! Jeder weiß, wie sehr ein Spaziergang in der Sonne die Stimmung heben kann. Auch Menschen mit einer Krebserkrankung wird ein möglichst aktiver Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft empfohlen. Dabei sollte man auf den Sonnenschutz achten.

Schützt man sich nicht ausreichend, kann die ultraviolette Strahlung (kurz: UV-Strahlen) der Sonne die Erbsubstanz der Hautzellen schädigen. Als Folge kann ein Sonnenbrand oder noch Jahrzehnte später Hautkrebs entstehen. Weiterhin beschleunigen die UV-Strahlen der Sonne die Hautalterung. Wer sich konsequent vor einem Übermaß an Sonnenstrahlen schützt, kann seine junge Haut länger erhalten – mit weniger Falten oder dunklen Pigmentflecken.

Bei einigen Menschen mit einer Krebserkrankung erhöht sich aufgrund der Behandlung die Empfindlichkeit und damit die Schutzbedürftigkeit der Haut gegenüber den UV-Strahlen. Dies kann auch noch nach Ende der Therapie anhalten. Niemand kennt Ihre Haut so gut wie Sie selbst. Achten Sie deshalb auf ausreichenden Sonnenschutz bei Ihren Aktivitäten an der frischen Luft, während und auch nach der Krebstherapie – im Beruf und in der Freizeit.

Senior mit Hut und Sonnenbrille

Die Krebsbehandlung kann zu einer besonderen Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen führen. Betroffene sollten auf einen konsequenten und umfassenden Sonnenschutz achten.

Was sind die Empfehlungen für Krebspatienten?

Wie für Gesunde ist auch für Menschen mit einer Krebserkrankung ausreichend Sonnenschutz wichtig. Meiden Sie die Sonne zur Mittagszeit und suchen Sie Schatten auf. Auch möglichst lange, dicht gewebte Kleidung, eine Kopfbedeckung und Sonnenbrille bieten Ihnen einen guten Schutz. Alle Hautstellen, die von Kleidung unbedeckt sind, sollten Sie mit  Sonnenschutzmittel eincremen. Darüber hinaus gibt es für Patienten während und nach der Krebsbehandlung einige Besonderheiten zu beachten.

Immunsupprimierte Patienten

Ist das Immunsystem beispielsweise durch eine Krebserkrankung oder -therapie abgeschwächt, wird auch das Reparatursystem der Haut beeinträchtigt. Sind Sie davon betroffen, sollten Sie besonders auf einen konsequenten und umfassenden Sonnenschutz achten.

Einfluss von Medikamenten

Bei einigen Betroffenen tritt auch durch die medikamentöse Therapie mit Chemotherapeutika oder zielgerichteten Wirkstoffen eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit auf. Grund hierfür ist, dass diese Medikamente besonders Zellen schädigen, die ähnlich schnell wachsen wie Krebszellen. Das betrifft auch die Hautzellen. Die Haut wird somit insgesamt sensibler und bei einigen Betroffenen extrem lichtempfindlich (photosensibel). Allein dadurch können bei übermäßiger, ungeschützter Sonnenbestrahlung Haut und Augen im schlimmsten Fall dauerhaft Schaden nehmen. Bei Vorliegen einer Immunsuppression kann dieser Effekt noch weiter verstärkt werden. Werden Sie mit solchen Medikamenten behandelt, sollten Sie sich deshalb im Freien möglichst im Schatten aufhalten. Bei manchen Medikamenten kann die Lichtempfindlichkeit auch noch Jahre nach Abschluss der Behandlung anhalten, sodass Sie die besonderen Sonnenschutzmaßnahmen für einige Zeit fortsetzen sollten.

Nach der Strahlentherapie

Die direkte Sonne sollten Sie während und unmittelbar nach der Strahlentherapie vermeiden. Durch die Bestrahlung ist Ihre Haut im Bestrahlungsfeld vorbelastet und sie bleibt an dieser Stelle auch dauerhaft empfindlich. So kann beispielsweise ein Sonnenbrand einen schwereren Verlauf nehmen. Bestrahlte Hautstellen sollten Sie deshalb auch langfristig mit weiter, bequemer Kleidung und Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor schützen. Auf eine sichtbar gerötete oder wunde Haut sollten Sie Sonnenschutzmittel nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt auftragen.

Nach Operationen

Narbengewebe entwickelt zu Beginn und meist auch dauerhaft keine Hautpigmente. Dieser bräunende Farbstoff der Haut, der normalerweise bis zu einem gewissen Grad vor den UV-Strahlen schützt, fehlt damit. Zusätzlich befinden sich gerade im Saum der Narbe zu Beginn viele Entzündungszellen. Sie regen unter UV-Strahlen eine übermäßige Bräunung des Narbensaums an. Diese sogenannte Hyperpigmentierung bleibt oft bestehen. Aus diesen Gründen sollten Sie nach einer Operation verletzte bzw. narbenbildende Haut besonders gut schützen. Ihre Haut sollte also möglichst keine oder wenig Sonne erhalten. Nachdem die Narbe vollständig abgeheilt ist, schützen Kleidung oder ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor.

Bei Lymphödemen

In Folge einer Lymphknotenentfernung oder einer ausgedehnten Bestrahlung können Lymphödeme auftreten. Die darüber gespannte Haut ist ebenfalls besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlen. Wie nach einer Operation befinden sich auch bei Lymphödemen vermehrt Entzündungszellen in der Haut. Dadurch ist das Auftreten einer Hyperpigmentierung durch UV-Strahlen möglich. Sind Sie davon betroffen, sollten Sie die Hautstellen im Freien gut bedecken und möglichst Schatten aufsuchen.

Bei erhöhtem Risiko für Hautkrebs

Personen mit einem erhöhten Risiko für Hautkrebs sollten regelmäßig ihre Haut betrachten, um auffällige Veränderungen entdecken zu können. Bestimmte Risikogruppen sind unter anderem Menschen mit einer Immunsuppression oder mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte von Hautkrebs, Menschen mit hellerer Haut sowie Menschen mit vielen und/oder auffälligen Pigmentmalen. Zählen Sie dazu, sollten Sie über Ihr individuelles Risiko informiert, in der Selbstuntersuchung der Haut geschult und regelmäßig von einem qualifizierten Arzt untersucht werden.

Die Rolle des Vitamin D

Für eine ausreichende Bildung des Vitamin D genügt es, Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal pro Woche unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen. Bei einem Menschen mit eher heller Haut sind zum Beispiel im Sommer zur Mittagszeit etwa zehn Minuten ausreichend. Bei einigen Krebspatienten kann aufgrund der umfassenden Maßnahmen zum Sonnenschutz der Körper nur unzureichend Vitamin D bilden. Hier sollte der Spiegel im Blut bestimmt und bei einem Mangel Vitamin D gegeben werden.

Weitere Empfehlungen

Mittel zum Einnehmen wie Karotine oder künstliche Hormone sowie Kosmetika zum Selbstbräunen werden ausdrücklich nicht empfohlen, um UV-Schäden vorzubeugen. Auch einen Kontakt mit dem giftigen Riesenbärenklau sollten Sie als Krebspatient unbedingt meiden. Er breitet sich zunehmend aus und hat, wie einige Krebsmedikamente, eine stark photosensibilisierende Wirkung. In Verbindung mit UV-Strahlen kann Ihre Haut schwer geschädigt werden.

Ob Sie sich als Krebspatient besonders vor der Sonne schützen sollten oder die allgemeinen Empfehlungen ausreichen, erfahren Sie von Ihren betreuenden Ärzten oder Fachpflegekräften.

Was kann ich selbst tun?

Als Patient können Sie sich daran orientieren, wie sich gesunde Erwachsene richtig vor der Sonne schützen sollten. Auch diese sollten generell die Sonne nur in Maßen genießen. Wie lange Sie sich in der Sonne aufhalten können, hängt unter anderem von Ihrem Hauttyp ab. Hellhäutige Menschen bekommen bereits nach wenigen Minuten in der Mittagssonne eine gerötete Haut. Passen Sie den Schutz Ihrer Haut an die aktuelle Sonneneinstrahlung an.

Ein sehr guter und umfassender Sonnenschutz ist nicht nur für Menschen mit hellerer Haut wichtig. Achten Sie auch darauf, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs aufgrund von vielen und/oder auffälligen Pigmentmalen, von Hautkrebs in der persönlichen oder familären Vorgeschichte, oder durch eine Krebstherapie haben.

Einen Sonnenbrand sollten Sie unbedingt vermeiden. Gewöhnen Sie im Frühjahr und im Urlaub Ihre Haut langsam an die Sonne und gehen Sie generell nicht in Solarien.

Intensive Sonne meiden

In der Mittagszeit ist die Sonne am intensivsten. Machen Sie im Frühjahr und Sommer zwischen 11 und 16 Uhr, wie die Südländer, eine Siesta und halten Sie sich drinnen oder im Schatten auf. Verlegen Sie Ihre Aktivitäten im Freien im Falle einer hohen Strahlenbelastung in die Morgen- und Abendstunden.

Von April bis September gibt der UV-Index des Bundesamtes für Strahlenschutz die Stärke der UV-Strahlen an:

www.bfs.de/uv-index

Prüfen Sie die Intensität der Sonne!

Bei bedecktem Himmel, im Frühjahr oder beim Skifahren wird die Kraft der Sonne unterschätzt.

Hinweis:

Die Empfehlungen gelten für Tageshöchstwerte des UV-Index bei wolkenlosem Himmel. Es kann vorkommen, dass im Frühjahr oder Sommer bei Bewölkung über mehrere Stunden ein UV 2 herrscht. In solchen Situationen können empfindliche Personen dennoch einen Sonnenbrand bekommen, wenn sie sich über eine längere Zeit ungeschützt im Freien aufhalten.

Kleidung schützt

Dazu gehört langärmelige, dichtgewebte und locker sitzende Kleidung. Einfache T-Shirts verfügen meist bereits über einen Schutzfaktor von 20. Spezielle UV-Schutzkleidung mit dem UV-Standard 801 bietet zuverlässigen, hohen Schutz. Kopfbedeckungen, wie Hüte, die auch Nacken und Ohren schützen, sind besonders geeignet. Achten Sie beim Kauf einer Sonnenbrille auf die Kennzeichnung „UV-400“.

Zuletzt Sonnencreme auftragen

Nutzen Sie Sonnencreme für alle Hautstellen, die nicht von Kleidung bedeckt werden können. Diese sollte mindestens einen Lichtschutzfaktor von 20 haben. Bei Kindern sowie hellhäutigen oder lichtempfindlichen Menschen ist ein hoher Lichtschutzfaktor von 30 oder sogar 50 angeraten. Tragen Sie die Sonnencreme reichlich auf und cremen Sie mehrmals täglich nach. Nachcremen verlängert nicht die Schutzwirkung, sondern erhält sie nur aufrecht.

Es kann vorkommen, dass die Haut unter oder nach einer Chemo- oder Strahlentherapie anders als gewohnt auf Sonnenschutzmittel reagiert. Testen Sie Cremes und Sprays erst auf einem kleinen Hautareal auf Verträglichkeit.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen

In manchen Fällen sollten sich Krebspatienten besonders gut vor der Sonne schützen und z. B. besser nur in den Morgen- und Abendstunden nach draußen gehen. Das kann etwa aufgrund einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut oder eines geschwächten Immunsystems erforderlich sein. Fragen Sie am besten schon vor Beginn der Therapie Ihren Arzt oder die Fachpflegekraft, ob in Ihrem Fall besondere Schutzmaßnahmen notwendig sind oder die allgemeinen Empfehlungen zum Sonnenschutz ausreichen.

Da Hautkrebsvorstufen und der Hautkrebs selbst ohne technische Hilfsmittel und Eingriffe sicht- und fühlbar sind, können Sie sie frühzeitig und einfach erkennen.

Untersuchung der Haut

Lassen Sie sich über Ihr individuelles Risiko informieren und in der Selbstuntersuchung der Haut schulen. Gehören Sie zu den Personen mit einem erhöhten Risiko für Hautkrebs, sollten Sie Ihre Haut regelmäßig betrachten, um auffällige Veränderungen entdecken zu können.

Tipps zur Selbstuntersuchung der Haut sowie allgemeine Informationen zum Sonnenschutz finden Sie im Präventionsratgeber
„Sommer. Sonne. Schattenspiele – UV-Schutz“.

Sie können ihn kostenlos bei der Deutschen Krebshilfe bestellen oder herunterladen unter:
www.krebshilfe.de/infomaterial

0228 / 729 900

Sonnenbrille und Strohhut

Sind Kopfbedeckung, Sonnenbrille sowie Sonnencreme bereits in der Handtasche oder im Rucksack, können sie nicht mehr vergessen werden.

Wie kann ich mich motivieren?

Wir möchten die Sonne genießen und unterschätzen dabei oft ihre Gefahren. Gerade auch während oder nach der Krebsbehandlung kann ein Sonnenbrand und damit eine Schädigung der Hautzellen viel schneller auftreten. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Sonnenschutz im Alltag umsetzen können.

Halten Sie Ihren Sonnenschutz von April bis September bereit.

Kleidung, Hut, Brille, Sonnencreme: Lassen Sie den Sonnenschutz zur Routine werden und cremen Sie sich am besten gleich morgens ein. Auch bei einem Urlaub im Winter – ob in der Sonne oder im Schnee – sollten Sie gleich beim Kofferpacken an angemessenen Sonnenschutz denken.

Sie verwenden lieber Dinge, die Ihnen gut gefallen.

Besorgen Sie einen Hut und eine Sonnenbrille sowie schulterbedeckende Oberteile und geeignete Schuhe die Sie gerne tragen. Verwenden Sie ein Sonnenschutzmittel, das zu den Bedürfnissen Ihrer Haut passt. Testen Sie verschiedene Produkte und nutzen Sie Probiergrößen. Es gibt auch spezielle Sprays, um im Alter die Kopfhaut zu schützen.

Nutzen Sie die Möglichkeiten der Technik.

Wo finden Sie am einfachsten den UV-Index? Ob im Internet oder in einer App – schauen Sie in die Prognose. Richten Sie sich bei der Planung Ihrer Aktivitäten im Freien danach.

Halten Sie sich die Vorteile vor Augen.

Auch wenn Sie im Café den Schattenplatz wählen, können Sie die Sonne genießen – ohne sich direkt den Gefahren der Sonne auszusetzen.

Sonnencremefilm mit gezeichnetem Herz auf Knie

5000 Sinnenzellen…

… befinden sich ca. in 1 cm2 Haut. Sie leiten die Informationen über Wärme und Kälte, Berührungen, Druck oder Schmerz an unser Gehirn weiter. Informationen über die Stärke der ultravioletten -Strahlung jedoch kann uns unsere Haut nicht liefern – erst wenn es schon „zu spät“ ist – z.B.  in Form eines Sonnenbrandes. Schützen Sie sich und ihre Haut rechtzeitig!

Bis zu 6 Monate…

… nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung kann die Empfindlichkeit der Haut gegenüber ultravioletter Strahlung erhöht sein. Auch andere Medikamente können fotosensibilisierende Substanzen enthalten. Fragen Sie nach solchen Nebenwirkungen und schützen Sie sich und Ihre Haut vor der Sonne!

Etwa 1000 Mal im Leben…

… erneuert sich die Haut eines Menschen. Kontinuierlich werden neue Hautzellen gebildet, so dass sich die Oberhaut ca. alle vier Wochen erneuert. Die Bildung der neuen Zellen erfolgt durch die Stammzellen. Ultraviolette Strahlung kann bis zu ihnen durchdringen und die Zellen dauerhaft schädigen – innerhalb von Sekunden. Schützen Sie Ihre Haut!

Informieren Sie sich

Neben den auf den vorherigen Seiten genannten Broschüren und Internetseiten empfehlen wir folgende weiterführende Literatur:

Onlineangebot des Bundesamtes für Strahlenschutz:
„UV-Strahlung“

verfügbar unter:
www.bfs.de/

Onlineangebot des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums:
„Hautprobleme während einer Krebsbehandlung“

verfügbar unter:
www.krebsinformationsdienst.de/leben/haare-haut-zaehne/hautprobleme

„Hautkrebs vorbeugen: Wie kann man sich schützen?“

verfügbar unter:
www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/hautkrebs/vorbeugung

Das INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe bietet persönliche Beratung kostenfrei unter:

0800 / 8070 8877
montags – freitags: 8 – 17 Uhr